Gitarre lernen ohne Unterricht

Nicht jeder hat Lust, Zeit oder Geld für jahrelangen, oft wöchentlichen Gitarrenunterricht. Gitarre selbst lernen mit einem guten Gitarren-Lehrbuch oder Youtube und Co. ist prinzipell gar keine schlechte Idee. Aber da gibt es dann doch ein paar Fallstricke, die man kennen sollte...

Gitarre selbst lernen

Als Gitarrenanfänger hatte ich klassischen Gitarrenunterricht. Das hieß Melodien zupfen nach Noten. Zuerst einstimmig, dann mehrstimmig, dann immer schwieriger. Ich hatte daran nichts auszusetzen und mir machte der Unterricht und das Gitarre spielen an sich sehr viel Spaß.

Für mich war das normal und ich weiß bis heute nicht, ob es zu der Zeit (Ende 70er, Anfang 80er Jahre) überhaupt eine andere Art des Gitarrenunterrichts gab.

Odyssee

Wenn ich mir aber damals meine Lieblingsbands so anschaute, dann spielten die Gitarristen dort völlig anders Gitarre als ich. Die zupften keine Melodien, sondern schlugen mit der linken Hand (Linkshänder mit der rechten) immer auf und ab. Und so fragte ich eines Tages meine Gitarrenlehrerin, ob ich diese Sachen auch lernen könnte. Ich erinnere mich noch genau an ihre Worte: „Sowas machen wir hier nicht!“

Und so begann meine Odyssee. Peter Burschs Gitarrenbuch hatte ich schon 1 oder 2 Jahre in der Schublade. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch schon das ein oder andere daraus probiert, es hat aber nie so richtig gut geklungen. Und ich dachte ja auch, das kommt alles demnächst im Gitarrenunterricht. Da lerne ich das dann…oder eben nicht.

Gitarre selbst lernen mit Peter Burschs Gitarrenbuch
Peter Burschs Gitarrenbuch 1.Ausgabe von 1975

Gitarre selbst lernen war angesagt. Zumindest was Akkorde, Schlag- und Zupfmuster betrifft. Ich wollte das unbedingt lernen und mithilfe des Buchs und meines Ehrgeizes machte ich auch Fortschritte. Die Akkorde klangen auf einmal deutlich besser und die Schlagmuster erschienen mir auch immer klarer.

Allerdings war ich auch öfter mal am Verzweifeln, weil manche Sachen einfach nicht klappen wollten (Stichwort F-Dur). Außerdem klang mein eigenes Spiel lange nicht so gut wie auf der labbeligen Schallplatte, die zu dem Buch gehörte. Geschweige denn wie im Radio.

Ich dachte auch öfter mal ich wär einfach zu blöd dazu und habe dann die Gitarre eine Zeit lang nicht angeschaut. Aber glücklicherweise nie lange!

Gitarre selbst lernen – Immer weiter machen

Manche dieser Probleme haben sich dann durch einfaches Weitermachen irgendwann von selbst erledigt…aber andere Dinge wollten einfach nicht klappen. 

Über die Jahre hab ich dann immer mal wieder von anderen Gitarristen etwas aufgeschnappt. Es waren meist nur minimale Veränderungen, aber auf einmal ging es wieder vorwärts! Wohlgemerkt über Jahre!

Rückblickend muss ich eindeutig feststellen, dass ich mit einem (guten) Gitarrenlehrer viel schneller vorangekommen wäre. Das Zweifeln an sich selbst, aufhören, wieder anfangen, etwas neues aufschnappen und versuchen es irgendwie umzusetzen. Dann schlechte Technik, die sich eingeschlichen hat, wieder abgewöhnen und nochmal richtig draufschaffen…ein regelmäßiges Feedback wäre auf jeden Fall hilfreich gewesen.

Und das ist auch das eigentliche Problem beim Gitarre selbst lernen: man merkt, es stimmt was nicht. Weiß aber nicht genau was man falsch macht und schon gar nicht wie man es ändern kann.

Dann ist der Zeitpunkt gekommen um sich einem erfahrenen Gitarrenlehrer anzuvertrauen! Er schaut dir zu und erkennt einen Fehler schon im Ansatz. Er wird dich motivieren weiter zu machen und sicher auch mal aus dem Nähkästchen plaudern wie es ihm selbst als Gitarrenschüler ergangen ist.
Und natürlich wird er alles daran setzen deine Fehler, die sich beim Gitarre selbst lernen eingeschlichen haben, zu verbessern.

Übrigens, ein paar Unterrichtsstunden reichen oft schon, um die Dinge ins Lot zu rücken

Zum Abschluss noch zwei Buchtipps. Diese beiden Bücher haben sich in meinem Unterricht bewährt und eignen sich auch hervorragend zum Gitarre selbst lernen:

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